Braucht man heute noch ein Packprogramm?

Braucht man heute eigentlich noch ein extra Packprogramm, wo doch Windows eines eingebaut hat?   Diese oder ähnliche Fragen werden mir doch immer mal wieder gestellt. Meine Antwort darauf ist eigentlich immer ja. Vielen ist oft auch gar nicht so klar, wozu man solch ein Programm heute noch brauchen kann.

Zu Beginn möchte ich aber noch auf den drei-teiligen Videokurs zu 7-Zip auf Youtube hinweisen.

 

Die Aufgaben eines Packers

Klar, Speicherplatz ist heute sehr günstig in großen Mengen verfügbar. Also ist das Sparen durch verringern der Dateigröße kein Argument. Viele Dateiarten, mit denen wir heute hantieren sind zudem Mediendateien, die meist selbst schon gepackt (komprimiert) sind, so z.B. die meisten Videos, Musik oder Bilder. Diese Daten liegen oft in einem Format vor, welches irgendeine auf den jeweiligen Datentyp optimierte Form der Kompression eingebaut hat. Dazu gehören Videos in h264, h265 oder auch Mpeg-II, Musik als MP3, AAC oder OGG und natürlich Bilder z.B. als JPG. Derartige Dateien braucht man nicht packen.

Allerdings liegen die Aufgaben eines Packers meiner Meinung nach zumindest teilweise heute auch woanders. Zum einen sollte man natürlich die Möglichkeit haben mit komprimierten Daten umzugehen, sprich sie zu entpacken. Und da kommen wir auch schon zu einem kleinen Nachteil des Windowspackers. Der Windowspacker bietet hier nur das ZIP Format an. Zugegeben, das ist auch das mit Abstand am häufigsten verwendete Format. Werden Downloads als Archiv, also komprimierte Dateien angeboten, handelt es sich meist um ZIP-Archive. Jedoch stößt man immer mal wieder auch Formate wie rar, 7z, oder seltener zipx.

Formate & Verschlüsselung

Der zweite Punkt betrifft die Möglichkeit, mehrere Dateien zu einer zusammenzufassen, sozusagen zu archivieren. Daher spricht man dabei auch von einem Archiv. Auf diese Weise lassen sich mehrere Textdateien, ein Projektordner oder auch viele Bilder als eine Datei z.B. in einer Email versenden. Und man spart noch etwas Platz, was bei größenbeschränkten Emailanhängen durchaus von Vorteil sein kann. Natürlich muss der Empfänger dann diese Datei auch entpacken können.

Eine weitere heute besonders wichtige Aufgabe kommt dem Packer durch Möglichkeit zu, Daten zu verschlüsseln. Archive lassen sich einfach und bequem mit einem Password so sichern, dass die Daten nicht nur hoch verschlüsselt sind, sondern Unbefugte nicht einmal sehen können, welche Daten in dem Archiv enthalten sind. Bei dieser Funktionalität muss der Windowspacker übrigens passen.

Als letztes möchte ich hier noch das Aufteilen größerer Datenmengen auf kleinere Dateien ansprechen. Das ist keine direkte Aufgabe eines Packers, aber das kann beim Versenden per Email oder Hochladen zu einem Download-Dienst mit beschränkter Dateigröße nützlich sein. Auch hier muss der Windowspacker leider passen.

Welcher Packer ist denn nun der Beste?

Danke, dass Sie bis hierhin durchgehalten haben. Vielleicht stellen Sie sich auch gerade die Fragen, die ich dann meist zu hören bekomme. Und welchen Packer soll ich dann nehmen? Welcher ist der Beste (für mich)? Und kostet das etwas? Und meine Antwort lautet: Das kommt ganz darauf an. DEN besten Packer gibt es nicht. Definitiv nicht. Kostenpflichtige Packprogramme haben zwar auch ihre Daseinsberechtigung, gehen aber teilweise schon recht weit über die Standardaufgaben eines Packers hinaus.

Und worauf kommt es nun an?

Nun, wem es nur auf die eben erwähnten Grundfunktionen ankommt, der hat natürlich die Qual der Wahl aus einer ganzen Reihe von kostenlosen Packprogrammen. Neben dem Klassiker 7-zip gibt es natürlich noch viele andere wie Bandizip, ALzip oder PeaZip. Da diese Programme meist die gleichen Standardverfahren verwenden, spielt die Kompressionsrate, also wie stark etwas komprimiert werden kann, nur eine untergeordnete Rolle. Sprich, diese dürfte bei allen Kandidaten bis auf kleine Abweichungen so ziemlich gleich sein. Das hängt dann letztlich auch von den Einstellungen des Packers ab und ob man da als Nutzer überhaupt Zugriff darauf hat. (und man daran herumspielen möchte)

Die Geschwindigkeit beim Packen und Entpacken ist natürlich wichtig und kann insofern zwischen den Packprogrammen variieren, je nachdem wie gut sie Multicore-Unterstützung beherrschen.

Auch die Unterstützung der Verschlüsselungsverfahren kann unterschiedlich sein. Unter diesem Aspekt sollte man sich die einzelnen Packprogramme genauer anschauen. Eventuell steht das aber auch auf der Webseite oder in der Dokumentation des jeweiligen Programms.

Das Bedienkonzept muss gefallen

Das entscheidende Kriterium ist meiner Meinung nach allerdings die Oberfläche und die Bedienung. Denn was nützen einem die tollsten Funktionen, wenn Sie nur umständlich zu verwenden sind. Und steht man eher auf große bunte Bildchen zum Anklicken oder eher auf nüchterne Standardknöpfe. Wichtig ist eine schnelle und intuitive Oberfläche bzw. Bedienung. Wobei das zweite auch immer vom Nutzer abhängt und die Wahl des Packprogramms dem eigenen Geschmack angepasst werden sollte.

Zur Bedienung und Oberfläche möchte ich noch abschließend sagen, dass man die Oberfläche des Packprogramms bei entsprechender Verwendung meist gar nicht oder nur beim Komprimieren von Daten zu Gesicht bekommt. Aber das hängt dann von den eigenen Bedienvorlieben ab. Stichwort Kontextmenü. Da dieses Thema textuell aber nur schwer zu erfassen ist, gehe ich darauf in einem der Videos näher ein.

7-Zip Videokurs

Für den Freund der eher funktionalen Bedienung ohne „KlickiBunti“ kann uneingeschränkt der Klassiker 7-Zip empfohlen werden. Nach der zugegebenermaßen etwas fuddeligen Konfiguration integriert sich 7-Zip wunderbar in Windows und den „Explorer-Alltag“. Auf 7-Zip gehe ich in einem eigenen Video ein und zeige Konfiguration und Bedienung.

Wer es doch etwas bunter mag, und das soll in keiner Weise abwertend gemeint sein, greift zum BandiZip, ALZip oder einem anderen Packprogramm. Eine konkrete Empfehlung kann man hier nicht geben, denn wie ich oben schon angeführt habe, ist die Wahl eher eine Sache des Geschmacks als eine der Qualität.

Sicherlich gibt es Packprogramme, die von der Bedienung leichter zugänglich sind. Aber wenn man 7-Zip einmal eingerichtet hat und die Bedienung verstanden bzw. verinnerlicht hat, geht der Umgang mit Archivdateien eigentlich sehr flüssig von der Hand bzw. Maus. Und genau dazu ist mein Videokurs auf Youtube da.

Und noch ein Hinweis: Auch wenn man annehmen könnte, dass Archivieren irgendetwas mit Datensicherung oder Backup zu tun hat, sollten Packprogramme nicht dafür verwendet werden.

 

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